Neulich hat mich meine Schwester gebeten, das Sportfest ihres Kindergartens fotografisch zu dokumentieren. Da ich sonst meist auf Reisen fotografiere – Menschen, Landschaften, Straßenszenen – habe ich diese Herausforderung gerne angenommen. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig davon berichten, was ich während der rund drei bis vier stündigen Veranschaltung über die Fotografie gelernt habe.
Zunächst habe ich mir Zeit genommen, mir die Umgebung anzusehen und Probefotos zu machen um gute Standorte und die Lichtverhältnisse (die sich während der Zeit natürlich geändert haben) zu erkunden. Stichwort Lichtverhältnisse: ich habe teilweise einen Blitz verwendet, um die ungünstigen Lichtverhältnisse (heller Himmel, schwache Ausleuchtung unter Bäumen) auszugleichen. Die meisten Fotos habe ich jedoch ohne Blitz gemacht, um die Akteure möglichst natürlich abbilden zu können und sie von den Sportarten bzw. Spielen nicht abzulenken.

Des weiteren hatte ich mir vorgenommen, in meinen Bildern die Spielfreude und Aktivität der Kinder zu dokumentieren. Bei der Dynamik und Bewegungsfreude der Kinder war es nicht einfach zu verhindern, dass die Bilder vollkommen verwackelt sind bzw. der Ausschnitt nicht passte. Dabei bin ich in mehrerer Hinsicht an die Grenzen meiner Kamera gestoßen:
- Der Sucher der Nikon D70s ist arg klein. Um einen komfortablen Überblick über die Situation zu erhalten – mit entsprechenden Brennweiten – erschien es mir oft einfacher die Kamera abzusetzen und danach wieder das entsprechende Motiv anzuvisieren. Außerdem war ich oft gezwungen, Situationen “vorauszuahnen”, was bei einem Kinderfest – das liegt in der Natur der Dinge – zuweilen ein echtes Glücksspiel ist.
- Der Autofokus schränkt ziemlich ein. Die fünf zur Verfügung stehenden Messfelder sind bei weitem nicht ausreichend, um wirklich kreativ zu arbeiten. In vielen Situationen reicht mir zwar das Messfeld in der Mitte des Suchers – anvisieren, scharf stellen, Auslöser halb gedrückt halten, Ausschnitt wählen, auslösen – diese Vorgehensweise ist bei quirligen Kindern allerdings keine gute Lösung. Da ist es schon besser entweder mit dem linken bzw. rechten Sensorfeld das Motiv zu erfassen und auf diese Weise den Bildausschnitt besser zu gestalten. Häufig war die Gestaltung allerdings gar nicht das Problem – sondern viel mehr die schnelle Bewegung. In diesem Fall habe ich das untere Messfeld verwendet, um die ungefähre Entfernung zu bestimmen – während der Spieler noch gar nicht im Sucher erschienen ist. Auf diese Weise kann man auch mit einem langsamen Autofokus noch ganz ansehnliche Fotos machen
- Viele Bilder musste ich recht stark beschneiden. Das ist prinzipiell nichts schlimmes, auch wenn dadurch natürlich ein gewisser Qualitätsverlust einhergeht. Problematisch ist aber die geringe Grundauflösung der Kamera – bei 6 MPx gibt es kaum noch Spielraum, die qualitativ hochwertige Ausschnitte zu erzielen.
Neben Erfahrungen auf der technischen Seite, habe ich auch einiges gelernt, was bei der Bildkomposition bei verschiedenen Sportarten zu beachten ist.

Ein tiefer Standpunkt lässt die Weitspringerin richtig fliegen und verleiht dem Bild ein großes Maß an Dynamik. Schwierig dabei ist allerdings, dass man gegen den hellen Himmel fotografieren muss und damit gewisse Herausforderungen bzgl. der Belichtungsmessung zu meistern hat. Dabei hat mich die Nikon im übrigen recht selten im Stich gelassen, und – trotz des zuweilen recht tristen Wetters – sind mit etwas Nachbearbeitung ansehnliche Ergebnisse herausgekommen.
Mich haben aber vor allem auch die Fußballspieler fasziniert. Vor allem, weil die Kinder bei dem Spiel enormen Ehrgeiz entwickelt haben, und einige der kleinen Akteure durchaus Talent bewiesen haben. Mir ist dabei aufgefallen dass, und hier könnte ein wesentlicher Unterschied zur Fotografie im Profifußball bestehen (klärt mich auf, falls ich mich täusche), man sehr gut mit zwei verschiedenen Ausrüstungen arbeiten kann.

Zum einen kann man mit langen Brennweiten die Spieler sehr gut isolieren und in Zweikampfsituationen zeigen. Dies würde ich als eher herkömmliche Herangehensweise bei der Fußballfotografie bezeichnen. Leider habe ich nur mein altes 70-210mm Objektiv zur Verfügung gehabt, sodass ich aufgrund der großen Tiefenschärfe immer noch eine gute Portion Hintergrunddetails mit auf dem Bild hatte.

Es war aber auch möglich, mit kürzeren Brennweiten das Spielgeschehen vom Spielfeldrand aus zu fotografieren. Dadurch konnte ich Fotos mit unkonventioneller Perspektive machen, bei denen sich der Betrachter “mitten drin” im Spielgeschehen wähnt.
Man darf aber nicht vergessen, dass viele Bilder, die während eines solchen Events geschossen werden, nicht verwendbar sind. Dabei handelt es sich nicht nur um technische Pannen und Unzulänglichkeiten (fehlerhafte Belichtung oder falscher Fokus), sondern auch oft um den falschen Moment. Darin nämlich liegt die Kunst: genau den richtigen Moment abzubilden und dennoch genug Dynamik wiedergeben zu können.
